Artikel: Der Mensch gewinnt in Zeiten der Digitalisierung an Bedeutung!

Der Mensch gewinnt in Zeiten der Digitalisierung - wozu?

Dozentenartikel

Keine Organisation ist nicht dabei, etwas in der Struktur zu verändern; hat den Wandel gerade hinter sich oder vor sich. Noch vor 10 Jahren galt das Credo: „Jetzt wird es mal ein bisschen turbulenter und dann haben wir wieder Routine“.

Dieses Credo ist überholt. Wir befinden uns in permanenten Turbulenzen und rechnen täglich mit Überraschungen. Das sagte allerdings auch schon Charles Darwin: „Nichts ist beständiger als der Wandel“. Das Taumeln hat eine Ursache: die Veränderung der Kommunikationsmedien vor über 100 Jahren mit der Einführung der Elektrizität.

Die Kommunikation mit der Technologie bietet neue Möglichkeiten der Ordnung von Kommunikation innerhalb der Gesellschaft und gleichwohl eine interessante Frage: Werden wir kontrolliert oder kontrollieren wir? „Alexa“ und „Siri“ müssen aktiv sein, wenn wir sie fragen, was gerade für ein Programm im Fernsehen läuft oder ob sie einen guten und günstigen Friseur kennt. Und wissen wir denn, aus welcher Auswahl von Daten uns „Alexa“ und „Siri“ ihre Antwort geben? Die Frage der Kontrolle verspricht Unsicherheit, mit anderen Worten Komplexität und Krise. Und nun gewinnt der Mensch an Bedeutung, obwohl in aller Munde gerade das Thema der „Digitalisierung“ zu hören ist.

Das bisherige Denken ist bemüht, Komplexität zu reduzieren. Der Mensch ist im Moment (noch) das komplexe System, welches die Komplexität bearbeiten kann. Denn er ist gut für Überraschungen. Das unterscheidet ihn von der Maschine. Dafür wird eine Kompetenz benötigt, die schon Hegel proklamiert: "Indem wir das Denken des Denkens denken, verschafft sich der Geist damit seine Kraft." Etwas moderner ausgedrückt: die Kraft des Bewusstseins des Menschen macht den Unter-schied in der nächsten Gesellschaftsform.

Jetzt wird es spannend, wenn wir über das Denken nachdenken: Jeder Gedanke ist mitnichten ein reiner Gedanke, sondern immer schon eine Bewertung. Das heißt dem Gedanken geht eine Unterscheidung voraus, deren sich der Mensch meist nicht bewusst ist.  Und diese ist emotional gefärbt. Werden diese Gedanken zu Mustern sortiert, bilden sich Schemata und diese werden zu Basic beliefs (Grundannahmen). Nach Michael Linden, einem deutschen Psychiater, ist 95% unseres Verhaltens von Grundannahmen über die Welt beeinflusst, ohne dass wir diese benennen können. Es sind Ideologien, welche transgenerational, sozial und kulturell geprägt sind. Wir speichern sie in unserer inneren, mentalen Landkarte. Diese sagt uns, was gut und richtig ist. Sie bietet Orientierungspunkte, die gerade unter Unsicherheit helfen, den Überblick zu behalten. Das Problem ist nur: unsere inneren, mentalen Landkarten sind nur kompliziert, nicht komplex. Wir müssen die innere Komplexität er-höhen, um mit der Äußeren zurecht zu kommen.

Und wie? Indem wir den Prozess des Denkens in den Blick nehmen, können wir eine Antwort auf die Frage liefern, wie wir die Konstruktion von Ordnung in Komplexität gestalten. An den Grenzen der Vorhersehbarkeit, der Plan- und Beeinflussbarkeit menschlichen Verhaltens und menschlicher Zusammenarbeit – also dort, wo Instabilität beginnt und Chaos entstehen kann, können die eigenen Grundannahmen reflektiert und verändert werden.

 

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Autorin

Prof. Dr. rer. pol. Nadine Sukowski

Studiengang­leiter Wirtschafts­psychologie

Professur für Inter­personelle Führungs­kompetenz an der VWA-Hochschule

Lehrgebiete:
Konflikt- und Team­management, Kommunikation und Rhetorik, Einführung in die Wirtschafts­psychologie, Arbeits- und Organisations­psychologie

Forschungsgebiete:
Affektlogik von Organisationen, Graves Wertemodell und seine Weiter­entwicklung, das Konzept der Achtsamkeit für die Führungspraxis, Formkalkül und deren Anwendung im Coaching.

 

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