Informationen zu Prof. v. Graevenitz

Interview mit Prof. Albrecht v. Graevenitz

Als Laie haben viele angehende Studierende die Befürchtung, dass das Thema Recht eine zu große Herausforderung für sie darstellen könnte. Denn Recht wird oft als eher abstrakte Materie wahrgenommen – umso größer sind die Berührungsängste. Wir haben uns darüber mit Dr. iur. Albrecht v. Graevenitz unterhalten, der das Fach an der VWA-Hochschule lehrt. Seine Veröffentlichungen finden Sie am Ende des Interviews.

Herr Professor v. Graevenitz, ist es schwer, Zugang zu Ihrem Fachgebiet zu bekommen?

Rechtliche Fragen und Lösungen begegnen uns im täglichen Leben ständig. Wenn ich in der Bäckerei auf ein Brötchen zeige, den passenden Betrag über die Theke reiche und dafür das Brötchen bekomme, wurde kein Wort gesprochen aber gleich zwei Verträge geschlossen: Ich habe mich mit der Verkäuferin über Kaufgegenstand und Preis geeinigt. Auch haben wir vereinbart, dass das Brötchen in mein Eigentum übergehen soll. So schnell geht es nicht nur bei Geschäften des täglichen Lebens. Mit diesem Beispiel kann man sich schnell klar machen, dass man auch im Unternehmen – wenn man nicht aufpasst – am Telefon einen Vertrag über Millionensummen schließen oder mit einer simplen E-Mail Haftungen begründen kann, die den Betrieb überfordern können.


Muss ich also vor Recht Angst haben?

Im Gegenteil! Was man kennt, kann man auch beherrschen.

 

Wie lerne ich das an der VWA-Hochschule? Kann ich das auch als juristischer Anfänger verstehen?

Klar! Wir tasten uns da gemeinsam heran und stellen uns ersteinmal ganz grundsätzliche Fragen. Was halten wir für gerecht, was für ungerecht? Wie steht meine Auffassungen zur Gerechtigkeit zum geschriebenen oder ungeschriebenen Recht? Kann etwas als moralisch falsch erscheinen, aber dennoch nicht verboten sein? Und dann gehen wir in die Besprechung ganz konkreter Fälle über, anhand derer juristische Denkweisen deutlich werden. Natürlich vermitteln wir auch theoretisches Wissen rund ums Recht: Wie ist unser bürgerliches Recht entstanden? Welche Werkzeuge, welche Methoden kann ich anwenden, um die Gesetzestexte richtig zu verstehen? Dennoch: Ein wichtiger Fokus liegt bei uns auf der praktischen Umsetzung dieser Kenntnisse, auf der Entwicklung der Fähigkeit, juristische Probleme zu erkennen, bevor sie entstehen. Zum Beispiel: Welche AGBs gelten eigentlich, wenn ein Vertriebler seinem Angebot die Geschäftsbedingungen seines Unternehmens beifügt und der Einkäufer des Kunden bei der Annahme des Angebots kommentarlos die AGB seines Arbeitgebers anfügt? Mit der Besprechung solcher Themen trainieren wir nicht nur die Fähigkeit zum selbständigen juristischen Denken. Die Studierenden erfahren auch, wie die Juristen ticken. Das ist wichtig, denn nicht selten arbeiten unsere Absolventen mit Rechtsabteilungen und externen Anwälten zusammen.


Und wie ist die Verzahnung mit der Betriebswirtschaft?

Bei uns lernen die Studierenden unternehmerisches Denken. Unternehmerische Entscheidungen müssen aber auch auf ihre juristischen Anforderungen und Konsequenzen hin beurteilt und ausrichtet werden. Welche Transaktionskosten erwarten mich für die juristische Bearbeitung eines Projekts? Setze ich mich oder mein Unternehmen mit meinen Plänen
juristischen Risiken aus? Müssen wir für Schäden aufkommen oder für unzureichende Leistungen einstehen? Braucht mein Unternehmen vielleicht sogar eine behördliche Genehmigung, bevor ein Projekt begonnen werden kann? Wir wollen, dass unsere Absolventinnen und Absolventen sich selbst in die Lage versetzen können, auch bei diesen Themen Kunden und Mitarbeitern sicher gegenübertreten zu können.


Klingt gut. Was begeistert Sie denn persönlich an Ihrem Fach und der Arbeit mit den Studierenden an der VWA-Hochschule?

Wir betreiben hier gemeinsam mit den Studierenden im besten Sinne des Wortes angewandte Wissenschaft! Recht dient keinem Selbstzweck sondern ist eine wichtige Grundlage für ein geordnetes Wirtschaftsleben. Betriebswirtschaftliche und juristische Fragen sind daher eng miteinander verzahnt. Viele unserer Studierenden bringen ihre beruflichen Erfahrungen
ein, was das gemeinsame Erarbeiten des Stoffs auch für mich immer wieder interessant macht. Ganz nebenbei eröffnen unsere juristischen Veranstaltungen aber noch andere Horizonte. So sind beispielsweise wettbewerbspolitische Fragen, die wir hier mit unseren Studierenden volkswirtschaftlich diskutieren, eng verknüpft mit Fragen der Wettbewerbsordnung, die durch das Europarecht ebenso wie durch das deutsche Verfassungs- und Wettbewerbsrecht erheblich geprägt werden. Es macht mir Spaß, hier gemeinsam mit den Studierenden Verbindungen aufzudecken und zu besprechen.


Sind Sie denn nur wissenschaftlich tätig?

Nein. Ich bin seit vielen Jahren Anwalt in einer internationalen Großkanzlei. In der Beratung ist es Alltag, juristisches und unternehmerisches Denken zu verknüpfen. Dieser Hintergrund ist sehr wichtig, um juristische Inhalte in einem berufsbegleitendem Studium glaubwürdig und lebendig vermitteln zu können. Unsere Studierenden lernen ja auch, ihre
frisch erworbenen wissenschaftlichen Fähigkeiten gleich an Beispielen in der realen Unternehmenswelt auszuprobieren. Meine eigene praktische Erfahrung macht es möglich, sie dabei effektiv zu unterstützen. Umgekehrt lerne aber auch ich dabei von den Studierenden, die mich mit ihren Beobachtungen und Berichten auf neue Gedanken bringen, die dann allen zugute kommen

 

Vielen Dank, Herr Prof. v. Graevenitz!

 

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